Dieser Artikel erschien im SWE-Journal Ausgabe 02/2021. Hier kann das Journal nachgesehen werden. 

Medien spielen nicht nur im Alltag von Erwachsenen eine große Rolle, sondern immer mehr auch im Leben von kleinen Kindern. Sie sehen nicht nur fern, Spiele am Tablet oder Handy gehören ebenfalls zu ihrer Lebenswelt. Sind Bilderbücher für die Zwei- und Dreijährigen noch das Hauptmedium, ist es bei den Vier- und Fünfjährigen das Fernsehen, ist in der miniKIM-Studie 2014 zu lesen. Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Medien, finden Lena Stolz und Armin Wohlfahrt vom Landesfilmdienst Thüringen e.V., der seit 30 Jahren medienpädagogisch aktiv ist. „Unser Schwerpunkt ist die Vermittlung von Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche, aber auch für Eltern und Multiplikatoren, z. B. Lehrer und Erzieher“, sagt Armin Wohlfahrt. Als ausgebildeter Mediengestalter Bild und Ton pflegt er seit 2004 enge Kontakte zu Schulen und Kindergärten, führt Workshops durch. „Innerhalb von 3 bis 5 Tagen entsteht ein 5-Minuten-Film, alles selbst ausgedacht, selbst gedreht“, erzählt er von den Projekten, die momentan aufgrund der Corona-Lage leider stillliegen, ebenso wie das Sonntagskino. Seit 2013 können Familien mit Kindern ab 6 Jahren in einem kleinen gemütlichen Kino im Hinterhof der Brühler Straße 52 Filme schauen. Dabei geht es nicht nur um das gemeinsame Kinoerlebnis, sondern vor allem darum, den Film zu verarbeiten. „Das ist ganz wichtig, weil Kinder die Dinge anders wahrnehmen als Erwachsene, kleinere noch mehr als 8-jährige”, sagt Lena Stolz. Die 25-jährige studiert im Master Kinder- und Jugendmedien an der Universität Erfurt.

So entstand die Idee für das Knirpsenkino – einmal im Monat möchte der Verein Kinotage für Familien mit Kindern unter 6 Jahren anbieten – medienpädagogisch begleitet und unterstützt durch die Projektförderung 21×1000 der Stadtwerke Erfurt. Doch das ist Zukunftsmusik. Wann das kleine Kino wieder öffnen darf, weiß niemand. Auf Eis legen wollten Lena Stolz und Armin Wohlfahrt das Projekt deswegen nicht. Da Kinder auch zu Hause gern fernsehen, möchte der Verein Familien bei der Rezeption unterstützen. „Uns geht es nicht nur darum, bei der Auswahl der Filme zu helfen. Warum sollten Eltern mit ihren Kindern nicht selbst einen kleinen Film drehen oder die Geschichte nachfotografieren, um das Gesehene zu verarbeiten? Einfach rausgehen in die Natur und die Welt wirken lassen. Ein Smartphone hat schließlich fast jeder“, erklärt Lena Stolz, die von Haus aus Erzieherin ist. Von Null auf Hundert ist das allerdings schwierig.

Deshalb wird Lena Stolz im Auftrag des Landesfilmdienstes kleinere Erklärfilme drehen, um Familien im Umgang mit Medien zu unterstützen, Ideen für das spielerische Lernen zu liefern. Im Fokus stehen dabei nicht nur die technischen Fertigkeiten zum Drehen und Nachbearbeiten, sondern auch die richtigen Filme für kleine Kinder. Ein guter Film für 3-Jährige ist z. B. „Die Biene hat ein Problem“, der auch auf Youtube zu finden ist, ebenso wie „Wombo“, ein kurzes abgeschlossenes Abenteuer für Kinder ab 5 Jahren, der kostenlos beim Landesfilmdienst ausgeliehen werden kann. „Hier ist natürlich immer zu beachten, dass Kinder unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung sind und unterschiedliche Sehgewohnheiten haben. Wir haben DVDs mit Kinderkurzfilmen zusammengestellt, die altersgerecht aufbereitet sind. Sie können kostenlos ausgeliehen werden. Themen sind Freundschaft, Liebe, aber auch Natur und Umwelt. Wichtig ist, dass die Filme einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder haben“, sagt Armin Wohlfahrt.

Text: Anke Roeder-Eckert
Fotos: Steve Bauerschmidt