Gad Kleins Vermächtnis in Thüringen bewahrt

Gad Klein, einer der angesehensten Filmkritiker und Journalisten Deutschlands, hat ein Vermächtnis hinterlassen, das die Filmwissenschaft und das kulturelle Gedächtnis prägt. 1954 in Israel geboren und später bis zu seinem Tod 2015 in Hamburg ansässig, profilierte sich Klein als scharfsinniger Beobachter sowohl des Hollywood- als auch des europäischen Kinos.

Sein enormes Wissen, seine einflussreichen Kritiken und seine Leidenschaft für Film gingen über das Schreiben hinaus: Er wirkte in mehreren Produktionen mit und baute ein persönliches Archiv aus Filmliteratur, Fotografien und Werbematerial auf. Dieses nun in Thüringen bewahrte Konvolut stellt sicher, dass seine Arbeit kommenden Generationen zugänglich bleibt.

Ein kulturelles Vermächtnis in Erfurt

Das Interdisziplinäre Forschungszentrum für Historische Medien (IFhM) an der Universität Erfurt hat Kleins Nachlass 2024 von seiner Ehefrau übernommen und verleiht der Filmsammlung des Zentrums damit eine neue, reichhaltige Dimension. Die Sammlung schließt eine Lücke in der deutschen Filmgeschichte, indem sie den Schwerpunkt des Instituts auf ostdeutsches Material um umfassende westdeutsche Quellen ergänzt.

Mit dem Nachlass von Gad Klein schließt das Forschungszentrum eine Lücke in seinen Beständen zur Filmgeschichte des späten 20. Jahrhunderts, die bislang von den Werbematerialien des Progress-Filmverleihs aus der ehemaligen DDR dominiert wurden.

Professor Patrick Rössler, Co-Direktor des IFhM

Manuskripte, Pressematerialien, Plakate, Fotos und sogar Tonaufnahmen von Interviews zeigen die Arbeitsweise eines Filmjournalisten der Vor-Digitalzeit. Diese Objekte liefern wertvolle Informationen für die Wissenschaft und bewahren zugleich die Atmosphäre einer Ära, in der Filmkritik auf gründliche Vorbereitung und tiefgehendes Studium setzte.

Thüringens Filmkultur stärken

Die Sicherung von Gad Kleins Archiv ist mehr als eine Geste des Erinnerns. Mit der Bewahrung seines Lebenswerks in Erfurt positioniert sich Thüringen als Hüter des kulturellen Gedächtnisses und stärkt gleichzeitig seine Rolle in der deutschen Filmwissenschaft.

Die Ausstellung Ein Leben für den Film, die vom 10. Dezember 2024 bis zum 10. Februar 2025 in der Universitätsbibliothek Erfurt zu sehen ist, macht Kleins Arbeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und regt Diskussionen über die gesellschaftliche Wirkung des Kinos an. Für Studierende, Filmschaffende und Kritiker*innen bietet die Sammlung Inspiration, indem sie zeigt, wie Filmkritik und Archivarbeit regionale Identität stärken und Thüringens Beitrag zum deutschen Kino hervorheben können.